Pulmologie

Betamimetika bei COPD

Die Inzidenz chronisch-obstruktiver Lungenkrankheiten (COPD) nimmt dramatisch zu. Als entscheidender Faktor gilt das Rauchen, im Gegensatz zu früher wird heute fast lebenslänglich und „quer durch alle Schichten“ geraucht – sowohl von Männern als auch von Frauen!

Eine aktuelle Kasuistik, zusammengefasst von Dr. Alice Tonsa, II. Interne Lungenabteilung am Otto-Wagner-Spital Wien (Vorstand: Prim. Dr. Norbert Vetter), unterstreicht die Dramatik und Belastung der Erkrankung: Ein jetzt 81-jähriger Patient leidet seit zirka 20 Jahren an Husten und Auswurf, die Symptome treten gehäuft in der kalten Jahreszeit auf. Zusätzlich verspürt der Patient eine Belastungsdyspnoe.

50 Pack-Years in der Raucheranamnese

Insgesamt ergaben sich in der Raucheranamnese 50 Pack-Years, allerdings wurde der Nikotinkonsum den Angaben des Patienten zufolge in den letzten Jahren auf fünf bis zehn Zigaretten täglich eingeschränkt. Auffällig in der Anamnese war weiters ein epileptisches Anfallsgeschehen, zudem berichtete der Patient bei der Erstuntersuchung 1995 über vier Infektexazerbationen im Jahr.

Zum Zeitpunkt der Erstuntersuchung bestand die Therapie aus kurzwirksamen Betamimetika bei Bedarf. Anlässlich einer weiteren Exazerbation erhielt der Patient dann topische Steroide sowie das lang wirksame Betamimetikum Formoterol (Foradil®). Die Ergebnisse der Therapie waren so zufrieden stellend, dass der Patient auf einer Dauertherapie mit diesen beiden Medikamenten bestand. Da Theophyllinpräparate kontraindiziert waren, erhielt der Patient ein Dauerrezept. Der Therapieerfolg konnte auch objektiv dokumentiert werden, Sekundenatemstoß sowie Spitzenstoß blieben zwischen 1995 und 2003 konstant (FEV1 1995: 1,5 Liter; 2003: 1,52 Liter).

Dr. Tonsa fasste zusammen: „Unter Therapie mit Formoterol und einem topischen Steroid konnten wir bei diesem Patienten über acht Jahre einen stabilen klinischen und funktionellen Verlauf beobachten!“

Therapie entspricht aktuellem Standard

Abteilungsvorstand Prim. Dr. Norbert Vetter kommentierte die aktuelle Kasuistik: „Die Bedeutung einer Langzeittherapie mit lang wirksamen Betamimetika und lokalen Kortikosteroiden bei Patienten mit COPD konnte inzwischen in neueren Studien gut dokumentiert werden.“ Noch Mitte der 90er Jahre, so Vetter, wurden Kortikosteroide lokal und systemisch allenfalls im Rahmen von Exazerbationen verordnet, mittlerweile setzen sich lang wirksame Betamimetika auch als Langzeittherapie im Intervall durch.

„Die neuesten Therapieempfehlungen im Rahmen der GOLD-Richtlinien (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease) beinhalten die Therapie mit lang wirksamen Betamimetika und lokalen Kortikosteroiden bei Patienten mit COPD“, betonte Prim. Vetter, „die Therapieempfehlung bei unserem Patienten mit Formoterol und einem topischen Steroid entspricht daher den aktuellen Standards. Wir konnten damit bei unserem Patienten eine stabile respiratorische Situation, eine subjektive Zunahme der Lebensqualität sowie eine deutliche Reduktion der Exazerbationen erreichen!“

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Letztes Update:11 Juni, 2003 - 00:00